Geschichte lässt sich nicht verschieben !!!

Auch 2015 AKTUELL

05.August 2015

Aachener Zeitung  -  Wie kommt eine Bombe unter einen Bunker?
Von: Stephan Mohne

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Schreck in der Nachmittagsstunde: Auf der Baustelle an der Rütscher Straße wurde am Mittwoch eine Fliegerbombe gefunden. Zum Glück stelle sie sich als ungefährlich heraus. Die Bombe ist hier – am unteren Bildrand zu sehen.      

Fotos: Ralf Roeger

Aachen. Die Frage, die sich alle Anwesenden vor Ort vom Feuerwehrmann bis zum Polizisten, vom städtischen Dezernenten bis zum Ordnungsamtsmitarbeiter stellten, war jene: Wie soll, bitteschön, eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unter einen Bunker kommen, der ja gerade zum Schutz vor Fliegerbomben gebaut wurde?

Bombenfund am Lousberg: Rütscher Straße gesperrt

Die Frage blieb letztlich unbeantwortet. Fakt aber war, dass am Mittwochmittag mitten in der Baustelle an der Rütscher Straße, wo bis vor kurzem eben jener Bunker stand und wo bald schmucke Wohnhäuser hochgezogen werden, eine solche Bombe lag. Das bedeutete: Alarmstufe Rot. Die Feuerwehr rückte mit zahlreichen Einsatzkräften und ihrer neuen mobilen Einsatzzentrale im Bus an. Die Polizei riegelte mit Kräften der Einsatzhundertschaft den Einsatzort ab, die Rütscher Straße wurde gesperrt.
Gespanntes Warten

Im Kopf spielten die Einsatzleiter und Dezernent Lothar Barth, der für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständig ist, bereits Evakuierungsszenarien durch. Schlimmstenfalls hätte die Bombe einen chemischen Langzeitzünder gehabt. In diesem Fall wäre nach einigen schweren Unfällen mit diesen gefährlichen Zündern einige riesige Maschinerie in Gang gesetzt worden. Bis zu 6000 Menschen wären laut Barth in diesem Fall betroffen gewesen. Zudem hätten Wälle aus Sand aufgeschüttet werden müssen.

Und so wartete man mit Spannung auf den Kampfmittelräumdienst. Rund eine Stunde nach dem Fund rollten die Experten in der Rütscher Straße an und begutachteten zunächst die Bombe. Schnell war klar, dass es sich um eine Zehn-Zentner-Bombe handelte. Doch sie war dermaßen verrostet und verkrustet, dass die Fachleute sie erst einmal säubern mussten, um sich ein genaues Bild von der Gefährlichkeit machen zu können. Die Feuerwehr platzierte ein Zelt über der Bombe.

Dann ging alles recht flott. Nach wenigen Minuten gab es die Entwarnung. Die Bombe war nur noch eine Metallhülle ohne Sprengstoff in ihrem Inneren. Zünder gab es auch keine mehr. Möglicherweise wurde sie schon vor langer Zeit entschärft und einfach liegengelassen. Und es blieb an diesem Nachmittag nur das Geheimnis, wie sie dorthin kam, wo jüngst noch das massive Betonfundament des Weltkriegsbunkers stand.

 

25.05.2015

Erneut musste ein denkmalwürdiges Bauwerk dem Kommerz weichen

Text und Bilder, Inge und Dieter Wernet,
Militärhistorische Studien, St. Vith / Belgien

Jetzt ist er Geschichte, der historisch einmalige Luftschutzbunker in Aachen zwischen der Försterstraße und der Rütscherstraße.

Zur Erinnerung:
In diesem Bauwerk befand sich 1944 das Hauptquartier des letzten militärischen Stadtkommandanten Oberst Gerhard Wilck. Abgeschnitten von jeder Versorgung und kommunikativen Verbindungen mit den rückwärtigen Wehrmachtseinheiten musste er schließlich am 22. Oktober 1944 unter dem Druck der näher rückenden amerikanischen Truppen kapitulieren. Dies leitete in der Folge das Ende des
2. Weltkriegs ein. 

 

Bild 1:



Bild 2:
Gleiche Ansicht wie Bild 1 am 23.7.2013 aus Sicht der Rütscherstraße.
Die in Bild 1 noch vorhandenen Zierfriese sind verschwunden, ebenso der Baumbestand vor der Fassade. Deutlich sichtbar werden dadurch die während
der Kampfhandlungen entstandenen Beschussschäden



Bild 3:
Eines der drei Treppenhäuser am 23.7.2013



Bild 4:  
Die fast leergeräumte Abbruchstelle am 24.6.2015 von der Rütscherstraße aus gesehen. Im Hintergrund die schönen denkmalgeschützten Jugendstilfassaden
der Försterstraße.
 

20.02.15

Liebe Bunker und Festungsfreunde,
dieses Schreiben hat uns heute aus Aachen erreicht. Es wurde mehreren mit der Angelegenheit befassten öffentlichen Stellen zugeleitet. Das zweite Schreiben war unsere Antwort an die gleichen Adressaten. Wer möchte kann diese Information gerne weiterleiten.
Nette Grüße aus Belgien

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn die Bodenplatte und die Fundamente des Bunkers bestehen bleiben müssen, stellt sich die Frage:
„Wird die vorgesehene Tiefgarage dann so gebaut?“
 


Das fragen selbstverständlich ohne jede Häme mit freundlichen Grüßen
Inge Wernet und Dieter Wernet Dipl.-Ing.

 

 

 www.gablenberger-klaus.de/page/4/

18.12.2014

Aachener Nachrichten
Keine Einigung über Sprengungen

Von: wos
Letzte Aktualisierung: 8. Dezember 2014, 19:06 Uhr

Aachen. Eine gute Woche Zeit nimmt sich die 11. Zivilkammer am Aachener Landgericht, um den Streit um sogenannte Lockerungssprengungen im Gemäuer des Bunkers an der Rütscher Straße zu entscheiden.
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Auf dem Gelände will Investor Norbert Hermanns Wohnungen und Stadthäuser errichten, der Abriss des Kriegsbauwerks geht aber wegen erheblicher Lärmbelästigungen nur schleppend voran. Am Montag hatten die Streitparteien – es sind der Bauherr und ein gegen die Sprengungen klagendes Ehepaar – Gelegenheit, ihre Positionen vor Richter Jens Brüggelmann darzulegen.

Eine gütliche Einigung konnte in diesem Anhörungstermin nicht gefunden werden. Auch das Verwaltungsgericht hatte eine Zwischenentscheidung getroffen und die Sprengungen vorläufig ausgesetzt. Die 11. Kammer am Landgericht will nun am Mittwoch, 17. Dezember, eine Entscheidung in dem Bunker-Streit verkünden. 

Aachener Nachrichten
Gericht lehnt Sprengungen am Bunker endgültig ab

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2014, 18:41 Uhr


Berge von Schutt vom Bunker am Lousberg hinterlassen die Bagger, die
zeitbegrenzt den Beton abtragen dürfen. Foto: Harald Krömer
 

Aachen. Die einstweilige Anordnung der 11. Zivilkammer am Aachener Landgericht gegen sogenannte Lockerungssprengungen am Bunker Rütscher Straße hat Bestand. Die Kammer mit Richter Jens Brögelmann bestätigte Mittwoch ihre erste, vorläufige Entscheidung: Die dicken Betondecken des Kriegsbaus am Lousberg dürfen nicht durch Sprengmittel gelockert werden, zu groß sei das Risiko für Gebäude, die unmittelbar in der Nachbarschaft stehen.

Insbesondere die Häuser in der nahen Försterstraße, so sagt es jedenfalls ein Nachbar und Mitinitiator der Bürgerinitiative Bunker Lousberg, Prof. Christoph Schulten, seien erheblich gefährdet. „Wir haben Angst, dass alles kaputt geht“, versicherte er erneut den „Nachrichten“. Dies übrigens nicht nur durch eventuelle Sprengungen, sondern ebenso durch die täglich weitergeführten Angriffe der Baggerzangen auf den harten Beton, der schließlich im von den Nazis entfachtem Zweiten Weltkrieg vor den Bomben des Feindes schützen sollte.
Die Nachricht vom fortdauernden Sprengverbot überraschte Investor Norbert Hermanns, der hinter dem dort verfolgten Projekt des Neubaus von Eigentumswohnungen und Stadthäusern steht. „Wie das nun weiter geht, weiß ich aus dem Stand nun auch nicht“, sagte er auf Anfrage.

Architekt Detlev Karsten wusste bereits Bescheid über die für die Bauherrn schlechte Nachricht, zuckte als Geschäftsführer der „Lousberg Höfe GmbH“ allerdings mit den Schultern: „Das kostet uns Zeit. Wir werden jetzt erst einmal so weitermachen wie bisher“, versicherte der Architekt. Das heißt demnach, die Bunkerreste an der Rütscher Straße werden weiter Stück für Stück abgerissen von den dort arbeitenden zwei Baggern mit ihren hydraulischen Zangen. Durch die Auflagen werde es nun noch länger dauern.
Erst juristisch prüfen

Karsten und die „Lousberg Höfe GmbH“ haben noch nicht entschieden, ob man mit Rechtsmittel gegen den Beschluss des Landgerichts vorgehen wird: „Das muss zunächst ein Jurist prüfen“, erklärte Karsten und befürchtet gleichzeitig, dass der Rechtsweg für das Projekt zu lange dauern würde. Schließlich ist parallel ein Verfahren mit ähnlichem Inhalt beim Aachener Verwaltungsgericht anhängig.

Das Gericht hatte der Stadt ebenso in einem Eilverfahren untersagt, hier Sprengungen zu erlauben. Die Entscheidung muss ebenfalls noch in einem Kammerbeschluss bestätigt werden, der laut Gerichtssprecher Richter Frank Schafranek jedoch nicht mehr in diesem Jahr zu erwarten ist.

Für die Bürgerinitiative ist das ein deutlicher Zeitgewinn. Denn Schulten will wie seine Mitstreiter in der Umgebung von Nizzaallee und Försterstraße „offene Gespräche über andere Lösungen mit dem Investor“ führen, wie er versichert. So könne man darüber nachdenken, einen Teil des Bunkers stehen zu lassen und mit in das neue Ensemble einzubeziehen.
Stadt nicht betroffen

Die Bauaufsicht der Stadt sei in diesem Fall der Entscheidung einer Zivilkammer nicht gefragt, erklärte Axel Costard vom Presseamt. Für Fachbereichsleiter Martin Fauck bestehe erst wieder Handlungsbedarf, wenn das Verwaltungsgericht eine Entscheidung getroffen habe.

So beschäftigt das einstige Luftschutzbollwerk bis heute die Gerichte, eine Kapitulation wie die von Stadtkommandant Gerhard Wilck im von den Amerikanern befreiten Aachen vor 70 Jahren ist nicht in Sicht. Wilck hatte seinen letzten Sitz in dem jetzt beinah zerstörten Bunker an der Rütscher Straße.

18.12.14 - 10:31 Uhr lostcolour
An dieser Stelle sei noch mal in Erinnerung gerufen, mit welchen Beschimpfungen und Meinungsmache vorher gegen den Kläger, dem jetzt RECHT gegeben wurde, vorgegangen wurde. Eine Entschuldigung wäre gut platziert.

— „Wie das nun weiter geht, weiß ich aus dem Stand nun auch nicht“, sagte er auf Anfrage. … schwache Aussage für den selbsternannten Visionär!

18.12.14 - Neue Pressemeldungen: Viele Grüße aus Belgien, Inge Wernet idwe(at)skynet(dot)be

Klenkes Stadtmagazin Aachen

Sprengverbot an der Rütscher Straße

Die einstweilige Verfügung des Landgerichts, die die Lockerungssprengungen am Bunker an der Rütscher Straße vorläufig verboten hat, wurde nun bestätigt.
Es wird keine Sprengung geben, das hat die 11. Zivilkammer des Landgericht Aachen am Mittwoch verkündet. Die Begründung des Urteils steht noch aus.

Höhere Kosten durch Verzögerung
Die Bürgerinitiative, die gegen einen Abriss des Bunkers ist, freut sich über das Urteil. Bauherr Detlev Karsten, Geschäftsführer der Lousberg Höfe GmbH, überlegt währenddessen in Berufung zu gehen.

Ansonsten müsse ganz normal mit Bagger und Meißel weiter gearbeitet werden. Damit würde sich das ganze Projekt jedoch noch mehr verzögern und viel teurer werden.

Auch vor dem Verwaltungsgericht wurde gegen die geplante Sprengung geklagt und zwar gegen die Stadt. Wann dort ein Urteil verkündet wird, ist noch unklar. Doch selbst wenn die Genehmigung bestätigt wird, gilt das Sprengverbot des Landgerichts weiter. \ lo


17.12. 2014

Antenne AC

Bunker in der Rütscher Straße darf nicht gesprengt werden
Die Sprengung des Bunkers an der Rütscher Straße in Aachen bleibt weiterhin untersagt. Das hat das Landgericht Aachen heute entschieden. Die Sprengungen waren Ende November mit einer Einstweiligen Verfügung gestoppt worden. Erwirkt hatte das eine Hauseigentümerin an der Nizzaallee. Sie befürchtet Schäden durch die Sprengungen. Ursprünglich sollte seit Ende November zweimal täglich jeweils eine Viertelstunde gesprengt werden. In der Zwischenzeit wurden weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen - gegen Lärm, Staub und eventuellen Steinschlag. Gegen das Urteil des Aachener Landgerichts kann noch in Berufung gegangen werden. Das würde dann vorm Oberlandesgericht in Köln geschehen.

13.12.14

Liebe Festungsfreunde, sehr geehrte Damen und Herrn,
dieser Pressebericht steht unter:  www.tageswoche.ch/de/2014_43/international/671140/

Viele Grüße und ein schönes Wochenende - Inge Wernet

Tages Woche
Zweiter Weltkrieg
Kriegsende dank Babywindel

21.10.2014, 22:14 Uhr          

Von der mühsamen Erinnerung an die Kapitulation vor 70 Jahren – mit der wenig engagiertenStadt Aachen, einer quirligen Bürgerstiftung, dem zeitgleichen Abriss des grössten Befreiungssymbols und dem unvermittelt auftauchenden Henry Kissinger. Von Bernd Müllender

Im Innern dieses Betonmonsters nahm das Ende seinen Anfang: Der Stadtkommandant übergab nach
sechs Wochen fürchterlicher Bombardierungen und Häuserkämpfe die Kapitulationsurkunde an die US-Amerikaner.(Bild: open original)

Ein atemberaubender Klotz in schmutzig-beige, mitten im chicen Gründerzeit-Wohngebiet am Aachener Lousberg. Die Betonwände an die zwei Meter dick und höher als ein fünfstöckiges Haus, an einer Seite mit stählernen Staub- und Schallschutzwänden. Halb ausgeweidet ist der alte Kriegsbunker in der Rütscherstrasse schon und wirkt wie ein riesiger, offener Schrein. Seit einem Jahr wird er Stück für Stück abgerissen; überall gewaltige Schuttberge, Schrotthaufen, bedrohliche Überhänge aus den Resten des äusseren Mauerwerks. Dazwischen wieseln ein paar Bauarbeiter. 26'000 Tonnen Beton gilt es abzutragen.

Im Innern dieses Betonmonsters nahm das Ende seinen Anfang. 199 Tage vor der Kapitulation des Deutschen Reiches, am 21. 10. 1944 um 12:05 Uhr, verlässt Wehrmacht-Oberst Gerhard Wilck den Steinklotz. Der Stadtkommandant übergibt nach sechs Wochen fürchterlicher Bombardierungen und Häuserkämpfe die Kapitulationsurkunde an die US-Amerikaner. Aachen gibt auf, gegen den ausdrücklichen Führerbefehl.
Hans-Joachim Geupel steht vor der Grossbaustelle und ist weniger erschüttert als erwartet. «Keine Wertung» will er abgeben, dass dieser Erinnerungsort vernichtet wird – für 40 Luxus-Wohnungen. Im Nachhinein habe der Abriss sogar sein Gutes. «Ohne die heftigen Proteste vor zwei Jahren wären wir wahrscheinlich gar nicht auf das Projekt gekommen.»

Wir – das ist die kleine Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, deren Vorsitzender der 62-jährige Ex-Bahnmanager ist. Das Projekt: Letzte Zeitzeugen-Interviews, die Aufarbeitung durch Historiker, ein bewegendes Buch und heute Mittag eine grosse Gedenkveranstaltung.

Aachen ist zu erschöpft für eine Jubiläumsfeier

Aachen, 21. 10. 1944: Die erste deutsche Grossstadt war in der Hand der Allierten. Ein grosses Symbol. Ein Weltereignis damals. In Aachen heute: wenig.

Über Jahrzehnte wurde der Bunker als monumentales Friedenssymbol missachtet. Ein Hochschulinstitut hatte ihn jahrzehntelang nutzen dürfen und baute innen so intensiv um, dass Denkmalschutz zuletzt nicht mehr infrage kam. Investoren erwarben die Immobilie, die Stadt erteilte die Baugenehmigung. Proteststürme. Anwohner klagten, erfolglos. Sie mussten sich gegen den Vorwurf verteidigen, es ginge ihnen nur um Baustellenbelästigung.

«Die Stadt hätte am Gedenktag nichts weiter gemacht», glaubt Geupel. Zur Entschuldigung: Aachen ist erschöpft vom «Karlsjahr», 1200 Jahre nach dem Tod Karls des Grossen. Pausenlos setzte es Feierlichkeiten für den heimischen Sachsenschlächter, der Europa mit zahllosen Gemetzeln zu einen suchte. Tja, sagt Geupel, dann müssen eben die Bürger ran: «Unser Projekt gegen das Vergessen: Um darüber nachzudenken, wo diese scheinbar selbstverständlichen Werte wie Freiheit und Frieden ihren Ursprung haben.»

Irgendwann habe das offizielle Aachen gefragt, ob man sich nicht beteiligen könne. Geupel lächelt: «Die grosse Stadt bittet uns kleine Stiftung.» Immerhin: «Jetzt unterstützen sie uns sehr.» Alexander Lohe, der Referent des Oberbürgermeisters, formuliert griffig: «Damit reflektiert wird, was wir gewonnen haben, als wir den Krieg verloren haben.»

«Damit reflektiert wird, was wir gewonnen haben, als wir den Krieg verloren haben.»
Alexander Lohe, Referent des Oberbürgermeisters.

Die Bürgerstiftung hat für ihr Buch «70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen» 14 Zeitzeugen aufgetrieben. Sie berichten von den überwältigenden Ängsten, vom Darben, von den Toten überall. «Wir wussten ja gar nicht, wie das ist, wenn kein Krieg ist», so ein damals 7-Jähriger.

Dann die Erlösung und die Dankbarkeit für die Befreier. Welche Art Leben nach dem Überleben kommt, weiss niemand. Mehrere schreiben, dass sie zum ersten Mal einen Schwarzen sahen: «Was hatte man nicht alles über die gehört, dass das Menschenfresser waren und so weiter...» Ein Mädchen: «In einem Gemüseladen gab es plötzlich Obst, und meine Mutter kaufte mir eine Traube! Die wollte ich teilen, für uns beide. Aber sie sagte nur: Nein, die ist jetzt nur für dich!»

«Leider», erzählt Geupel, «haben wir keinen der Befreier mehr gefunden.» Die wären heute auch 90 und älter. Aber zwei Aachener, die als Kinder selbst im Lousberg-Bunker waren, zusammengepfercht in Todesangst, erinnern sich: «Der ganze Bunker wankte und schien sich aus den Fundamenten zu erheben – wie bei einem Erdbeben.» Als die Wehrmachtführung kapitulieren wollte, so schreibt eine damals 11-Jährige, suchte man im Bunker vergeblich nach einem weissen Laken. Indes: «Da auch einige Babys da waren, fanden sich doch noch weisse Tücher.» Kriegsende dank Babywindel.

Und plötzlich steht da Henry Kissinger

Das Thema treibt die Menschen um. Ein Zeitzeuge schlug jetzt vor, die Strasse vor dem Bunker in «Grosse Freiheit» umzubenennen. Auch ein 81-Jähriger meldete sich nachträglich. Mit seiner Familie sei er damals bei Fürth evakuiert gewesen, in grosser Angst, was aus ihrem Haus in Aachen geworden sei. In Fürth trafen sie einen US-Soldaten, der perfekt deutsch sprach: Er sei neben dem markanten Haus stationiert gewesen und kürzlich noch dort gewesen – alles okay. «Der Mann stellte sich als Henry Kissinger vor. Damals sagte uns das ja nichts, aber bis heute läuft es mir bei dem Namen noch kalt den Rücken runter», berichtet der alte Mann ganz aufgeregt.

Seit dem Jahrestag 6. Juni, der Landung der Allierten, stellt die Bürgerstiftung unter www.freeaachen44.de/ historisch tagesaktuelle Tweets ein, mit zahlreichen Links. Sie lesen sich wie ein Kriegs-Countdown: Aachen, 12. 9.: Die ersten Granaten schlagen ein. Partei und Polizei flüchten... 13. 9.: Bevölkerung weiss nicht wohin. Zwei 14-Jährige wegen Plünderei durch ein Standgericht zum Tode verurteilt und exekutiert... Maastricht wird von US-Truppen eingenommen. 17. 9.: Valkenburg und Heerlen sind frei. 17 km bis Aachen. 4. 10.: Über 20.000 Wehrmachtsoldaten sind in Stellung gegangen. 8. 10.: Lautsprecherdurchsagen aus dem Stadtwald! Ultimatum der US-Truppen. 13. 10.: Oberst Wilck verlegt seinen Gefechtsstand in den Bunker Rütscherstrasse. 16. 10.: Der grosse konzentrische Angriff beginnt ...

Geschichte lässt sich nicht verschieben

Heute Mittag läuteten ab 12 Uhr in Aachen alle Glocken. Eine Idee nicht der Stadt, sondern der Bürgerstiftung. Die Kirchen waren schnell angetan davon, berichtet Geupel. «Trauer, Dankbarkeit, Verpflichtung für die Zukunft – jeder wird etwas anderes empfinden.»

Glockenläuten indes, meinte ein Stifter, das werden doch die vielen bassbeboosterten Autofahrer gar nicht mitbekommen. Warum nicht alle Ampeln für fünf Minuten auf Rot zu stellen? Der Rote Knopf im Verkehrsamt und die zugehörige Mitarbeiterin waren bald identifiziert. Es gab auch Befürworter bei der Stadt. Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) aber sagte Nein. Glocken, so seine phantasielose Begründung, seien doch genug.

Vergangenen Mittwoch fragte der OB-Referent den verdutzten Geupel, ob die Gedenkveranstaltung nicht etwas später starten könne. Grund: Der OB müsse vorher dringend einen anderen Bunker besuchen, einen des Konsums. Die neue Shopping Mall AquisPlaza habe Richtfest. Geupel teilte mit, 12:05 Uhr sei nun mal die geschichtlich unveränderbare Zeit.
Am Lousberg-Bunker surrt derweil die automatische Betonsäge weiter. Mit Wasserberieselung, wegen des Staubs. Eine sehr archaische Konstruktion über wacklige Bänder und windschiefe Seilzüge und damit eine Technologie, die auf bizarre Weise zu 1944 passt. Stetig tropft das Wasser aus dem Mauerwerk. Im Frühjahr soll der Klotz Geschichte sein.
Immerhin ist man auf der Baustelle historisch sensibler als der Oberbürgermeister: Auf Vorschlag Geupels werden die Arbeiter während des Glockenläutens ihre Meissel, Presslufthämmer und Hydraulikzangen niederlegen. «Dazu bedurfte es nur eines ganz kurzen Telefonats.»
 

12.12.14

Aachener Zeitung


Streit um Stützmauer blockiert Bauprojekt
Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung: 8. Dezember 2014, 20:26 Uhr


 

„Schwierige Prognoseentscheidung“: Darf der Bunker an der Rütscher Straße nicht gesprengt werden, weil einer Stützmauer in der Nachbarschaft dann der Einsturz droht? Das Gericht urteilt darüber am 17. Dezember. Foto: Michael Jaspers


Aachen. Hält die Stützmauer am Hang zwischen Försterstraße und Nizzaallee, wenn im nahegelegenen Bunker an der Rütscher Straße Lockerungssprengungen vorgenommen werden? Oder stürzt das rund 100 Jahre alte Gemäuer dann womöglich sogar ein?

„Wirklich wissen werden wir das erst, wenn gesprengt wird“, sagt Dr. Jens Brögelmann. Damit hat der Richter am Aachener Landgericht zweifellos recht, nur hilft ihm das nicht wirklich weiter. Denn Brögelmann muss im Zuge eines einstweiligen Verfügungsverfahrens quasi aus dem Stegreif abwägen, ob der Mauer Gefahr droht oder nicht – und dem Mann schwant an diesem Montagmorgen im Aachener Justizzentrum, dass ihm damit eine „schwierige Prognoseentscheidung“ abverlangt wird.
Zwei Gutachter, zwei Sichtweisen

Verkünden wird der Richter sein Urteil am 17. Dezember. Deutliche Hinweise darauf, wie es ausfallen könnte, gibt er an diesem Morgen beim Gütetermin vor der 11. Zivilkammer des Landgerichts aber nicht. Doch das verwundert bei dieser „schwierigen“ Ausgangslage, wie Brögelmann mehrfach betont, auch kaum: Denn auf der einen Seite steht da die Lousberg Höfe GmbH. Ihr gehört das Bunkergrundstück, sie will das Bauwerk abreißen, um dort Wohnungen zu bauen. Und weil das mit reinem Baggern nicht so recht klappt, will man mit – von der Stadt genehmigten – Lockerungssprengungen nachhelfen.

Das wiederum rief auf der anderen Seite ein Ehepaar aus Solingen auf den Plan, dem an der Nizzaallee ein Grundstück gehört, das durch besagte Stützmauer gesichert wird. Auf die städtische Sprenggenehmigung vom 20. November hin zogen die Eheleute vor die Zivilkammer, die am 24. November aufgrund der Eilbedürftigkeit der Sache ein vorläufiges Sprengverbot verhängte, um die Sache zu klären – schließlich sollten die ersten Testsprengungen schon tags darauf beginnen.

Außerdem haben die Eheleute einen Gutachter, der ihnen bescheinigt, dass ihre alte Stützmauer „hochgradig anfällig“ sei und auch ohne Sprengungen bereits Schwächen aufweise. Sollte sie tatsächlich beim Sprengen nachgeben und Teile des Grundstücks abrutschen, „wäre das eine dramatische Folge“, betont auch Richter Brögelmann.

Einen Gutachter hat aber auch der Bauherr. Und der bescheinigt, dass die zu erwartenden Erschütterungen deutlich unter den Grenzwerten lägen – von nur 2,2 Prozent der für hochsensible Bauwerke zulässigen Belastung ist vor Gericht die Rede. Also doch alles klar? Nein. Schließlich gebe es auch Fälle, in denen man beim Sprengen unter den Grenzwerten blieb und es dennoch zu Schäden kam, erwidert der Richter. Am liebsten würde dieser einen eigenen – unabhängigen – Gutachter bestellen, aber einen solchen zeitaufwändigen Einstieg in die Beweisaufnahme sieht dieses Eilverfahren nicht vor. Außerdem würde das ohnehin schon verzögerte Bauprojekt so noch deutlich länger blockiert werden.

Bliebe also höchstens noch eine gütliche Einigung. „Geht es nicht anders? Kann man die Mauer nicht zum Beispiel mit Stahlträgern sichern?“, versucht der Richter eine solche anzuregen. Aber es geht nicht anders. Keine der Streitparteien signalisiert Bereitschaft zum Entgegenkommen. Und so kommt es nun zu dem, was Richter Brögelmann schon am Anfang des Erörterungstermins geschwant hat: „Am Ende werde ich entscheiden müssen.“

Und nicht nur er. Da auch vor dem Verwaltungsgericht die Klage eines anderen Nachbarn gegen die städtische Sprenggenehmigung anhängig ist – und diese ebenfalls vorerst ausgesetzt ist –, reicht dem Bauherrn ein alleiniger Erfolg vor dem Landgericht nicht. Um tatsächlich an der Rütscher Straße sprengen zu dürfen, muss auch vor dem Verwaltungsgericht gewonnen werden. Doch dort ist, wie am Montag zu erfahren war, noch keine Entscheidung in Sicht.

Den Verlauf des unrühmlichen Bunkerabrisses seit 2013 finden sie Hier:


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