Nachdenkliches zur Weihnachtszeit 2012   

 

Erinnerungen 1944 / 1

 

Weihnachten 1944 in den Ardennen – aus meinem Kriegstagebuch

 

24. Dezember 1944

H. S.

"Von 3.00 bis 5.00 Uhr war ich auf Posten (Kommandostandwache). Um 8.00 Uhr zur Unterkunft. Gewaschen, Gewehr gereinigt. Um 11.30 Uhr zur Stellung. Ein klarer blauer Himmel verhieß nichts gutes, hatten wir doch seit Beginn der Ardennenoffensive (16. Dezember 1944) nur diesiges Wetter gehabt, das uns vor den lästigen, übermächtigen Jabo’s bewahrte.
Es schwirrten die ersten Jabo’s rum und suchten nach Opfern. Wegen Munitionsmangel haben wir nicht geschossen! Dann kamen Bomberverbände. Wir haben unaufhörlich geschossen, wobei ich am Kommandogerät den B 5 machte. Eine „Fortress II“ (sogenannte „fliegende Festung“) wurde in Brand geschossen, welche abstürzte und in der Luft auseinanderbrach. Als die Geschütze nur noch jeweils 8 bis 10 Granaten hatten, wurde das Feuer eingestellt. Es herrschte rege Jabo – Tätigkeit.
Mittag Essen gefaßt. Luftkämpfe beobachtet. Eine Me 109 und eine FW 190 (Focke-Wulf)
brennend abgeschmiert. Eine „Thunderbolt“ brauste im Tiefflug über unsere Batteriestellung, bis sie plötzlich in Flammen aufging und abstürzte. Unser Batteriechef hatte Befehl gegeben, das alle Troßleute und Kraftfahrer aus den zahlreichen umherstehenden verlassenen US-Panzern die MG’s ausbauen sollten, auf’s Turmluk setzen und die Tiefflieger damit bekämpfen.
Mein lieber Mann, haben die Jungs geballert im Verein mit unserem leichten Flacktrupp (3,7 cm)! Dann kamen zweimotorige Michtchel-Bomber in Sechser-Gruppen und legten einen Bombenteppich auf das vor uns liegende Tal. Dort flogen Spritvorräte in die Luft. Einmal sah es so aus, als ob eine Gruppe über uns ablanden wollte.
Dann haben noch Jabo’s mit Bordwaffen und Raketen in den Ort reingefetzt, dazu schoß Fernkampf-Artillerie in den Ort.
Eine „Lightning“ ging in Flammen auf und stürzte ab, so wie eine „Fortress II“ im Verband urplötzlich auseinanderplatzte.
Gegen 17.00 Uhr wurde es ruhig. Ich kam zurück zur Unterkunft, wo unsere beiden Landwirte im Zivilberuf ein herrliches Weihnachtsessen mit Braten und Salzkartoffeln zubereitet hatten. Der Chef schaute auch mal zu uns rein, unsere I. Batterie hatte acht Tote und zwölf Verwundete, auch die 4. Hatte Verluste. Wir haben noch Glühwein und Schnaps (Marketenderware) getrunken. Danach hat sich alles hundemüde hingehauen. Ich hatte mich gerade unter dem Tisch ausgestreckt, es war mollig warm im Raum. Da kam der Befehl zum Stellungswechsel!
Fluchend aufgebrochen. Stellung abgebaut, Gerät verladen, nichts wollte klappen, alles rumkrakehlt. Plötzlich an der Straße eine Feuersäule.
Kamerad Jahn fährt mit seinem Muni-LKW beim Wenden auf eine im Straßengraben liegende schon geräumte Mine. Frohe Weihnacht! Das Vorderteil des Wagens weggeblasen, und ihn auf den Acker geschleudert (er ist später daran verstorben!) Wir haben seinen Wagen leer gemacht und sind  dann losgefahren. Auf  dem Fahrzeug gepennt. Erstarrte Füße bekommen. An einem Wald stehengeblieben. Im Morgengrauen abgestiegen und Fahrzeuge getarnt. Im Wald lagen allerhand Ami-Sachen herum. Andere Kumpels hatten schon die stehengebliebenen US-Panzer durchsucht, wobei sie leckere Sachen fanden wie Schokolade, Kekse, Zigaretten, Bonbons, Konservendosen. Zu Mittag gab’s Nudeln mit Gulasch. Dann schickte mich unser Meßtruppenführer mit noch einem Kumpel ins naheliegende Dorf, um unsere Nachzügler einzuweisen. Vor dem Ort war das Panzerschlachtfeld, welches wir aus der vorhergehenden Stellung  gut mit dem Flackfernrohr einsehen konnten und mit Tränen der Wut und der Ohnmacht in den Augen mit unseren prächtigen 8,8-cm-Geschützen wegen Munitionsmangel nicht eingreifen konnten und untätig ansehen mußten, wie unsere angreifenden Panzer zusammengeschossen wurden. Ich zählte einige abgeschossene Panzer (Panther V) und zwei Sturmgeschütze, die Besatzungen saßen verkohlt im ausgebrannten Inneren".

Quelle:
Aufzeichnungen H. S.
Privat Archiv

H. S. gehörte als SS – Sturmmann der 2./SS-Flackabteilung 9 der 9. SS-Panzerdivision „Hohenstaufen“ an. der Bericht stammt aus seinem Tagebuch über den Weihnachtstag 1944.

© Team Bunkersachsen 2012
 

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